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Der Engel mit den dunklen Schwingen

Eine Erzählung von Steve (Nachname kann aus rechtlichen Gründen nicht angegeben werden)

 

Die Geschichte die ich heute erzähle wird die letzte sein die ihr von mir hören werdet.

Es ist eine Geschichte die ich selber erlebt habe…

Es geschah letztes Jahr, es war ein regnerischer, grauer Tag, und ich war auf dem Weg zu einem guten Freund. Beinahe wäre es der letzte Tag meines Lebens geworden.

In Gedanken versunken schritt ich durch die Straßen, achtete nicht auf die Welt um mich herum. Der Regen prasselte auf mich herab und legte sich wie ein nasser Vorhang vor die Welt. Ich beeilte mich, wollte einfach nur ins Trockene kommen.

Beim Überqueren einer Straße geschah es dann:

Irgend etwas am Rande meines Gesichtsfeldes erregte meine Aufmerksamkeit, ein huschender Schemen den ich nur aus den Augenwinkeln bemerkte, etwas, das einfach gar nicht da sein sollte, auch wenn ich bis heute nicht sagen kann warum ich das in dem Moment dachte.

Als ich mich umsah erkannte ich eine Gestalt die die durch den Regen auf mich zuschritt, und ich meine wirklich schritt. Sie bewegte sich mit einer majestätischen Anmut die in dieser Welt völlig fehl am Platz schien.

Irgend etwas an dieser Gestalt nahm mich gefangen, hielt meinen Blick fest.

Ich stand dort, mitten auf der Straße, unfähig mich zu rühren, und starrte auf die Gestalt.

Plötzlich erkannte ich was mich an ihrem Anblick so faszinierte: Obwohl sie sich durch den stömenden Regen bewegte war sie nicht naß… Es war, als würde der Regen ihr ausweichen. Hinter ihr huschten und waberten die Schatten des sich zum Ende neigenden Tages hin und her und erschufen so die Illusion gewaltiger nachtschwarzer Schwingen.

Als sie eine Straßenlaterne passierte glitt der Lichtschein für einen Augenblick über ihr Gesicht. Mir stockte der Atem. Nie zuvor hatte ich etwas schöneres erblickt. Es war das Gesicht einer Jungen Frau, so lieblich wie die aufgehende Sonne. Schwarzes Haar glitt über ihre Schultern den Rücken hinab, umhüllte sie wie ein Umhang aus glänzender Seide.

Doch was mich wirklich faszinierte waren ihre Augen, Augen voller Traurigkeit. Selbst auf diese Entfernung konnte ich Tränen in ihnen glitzern sehen, wie Sterne die sich in einem eiskalten Bergsee spiegeln. Und diese Augen blickten genau auf mich, hielten mich fest, umklammerten mich und legten eiserne Ketten um mein Herz…

Plötzlich ging alles ganz schnell, zu schnell…

Ich weiß nicht mehr was eigentlich wirklich geschah. Licht flammte auf, Bremsen kreischten. Ich wirbelte herum, sah ein Auto direkt auf mich zurasen, warf mich zur Seite…dann Stille.

Ich lag im Regen neben der Straße, eingehüllt im Scheinwerferlicht des Wagens der mich beinahe getötet hätte. Kein Laut war zu hören, außer einem überirdischen Rauschen, wie vom schlagen riesiger Schwingen… Ich blickte die Straße hinunter, suchend, doch die dunkle Schönheit war verschwunden… Ich wußte nicht wirklich was geschehen war, aber ich wußte das ich dem Tod nur um Haaresbreite entgangen war.

In der selben Nacht erwachte ich aus einem traumlosen Schlaf. Ich öffnete meine Augen und starrte in die Dunkelheit, ich spürte das ich nicht mehr alleine im Zimmer war. Dennoch fühlte ich keine Furcht, nicht einmal den Hauch von Beunruhigung.

Ich kann es nicht erklären, aber irgendwie WUSSTE ich das sie es war… Es interessierte mich nicht woher ich es wußte, es war mir egal wie sie mitten in der Nacht in mein Schlafzimmer gekommen war. Sie war da, das war alles was ich wußte, alles was ich wissen wollte.

Die Wolkendecke riß auf, fahles Mondlicht fiel durch das Fenster und enthüllte eine dunkle Gestalt neben meinem Bett. Sie war es wirklich, und jetzt sah ich auch das ich mit das Geräusch schlagender Flügel nicht nur eingebildet hatte.

Sie beugte sich über mich, sah mir direkt in die Augen. Niemals mehr könnte dieses Gesicht vergessen. In diesem Moment erkannte ich was Liebe ist, hoffnungslose, schmerzende Liebe…

„Eine Frist auf Jahr und Tag, mehr darf ich dir nicht gewähren" Ihre Stimme war wie der Wind der durch einen nächtlichen Wald streicht.

„Meine Liebe erlaubt es mir dir diese Frist zu lassen, doch dann muß ich dich holen, deine Seele nehmen…"

Wieder sah ich das Glitzern in ihren Augen, diese unendliche Traurigkeit.

Ihre schwarzen Flügel umfingen mich, sanft spürte ihre Lippen auf den meinen. Eine einzelne Träne rann ihr Gesicht herab, tropfte heiß und brennend auf meine Brust… Dann wurde es dunkel, ich war wieder allein…

Am nächsten Morgen erschien mir alles unwirklich, wie ein Traum, obwohl ich noch immer ihren Kuß auf meinen Lippen spürte.

Ich erzählte meinen Freunden was ich erlebt hatte, doch alle schoben es auf den Unfall. Sie sagten ich solle mir endlich eine Frau suchen, dann würden meine lebhaften Träume auch aufhören.

Aber ich wußte das all das wirklich geschehen war, wußte das sie real war.

Wärend ich dies hier nun niederschreibe versinkt die Sonne hinter den Hügeln, und es wird Zeit das ich mich bereit mache.

Denn dies alles geschah vor genau einem Jahr und einem Tag.

Ein letztes mal öffne ich mein Hemd, blicke auf die tropfenförmige Narbe auf meiner Brust. Genau dort wo ihre Träne mich zeichnete, die Träne eines gefallenen Engels…

Heute nacht werde ich meine Liebe wiedersehen…




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